Skulptur 1985
Dem Spannungsbogen zwischen elementarer Form und unendlichem Raum, suchte Gerd Jansen in der vierten Werkphase Ausdruck zu geben. Die Konzentrierung auf das geometrische Grundelement des Kreises schien diesem umfassenden Anspruch zu genügen: Alles hat ein Zentrum und damit ein Grundprinzip - das Kleine spiegelt das Große, das Große das Kleine. Einfachheit ist eine Frage des Definitionsbereichs - außerhalb wird sie schnell zur Komplexität.
Die in sich geschlossene Skulpturengruppe umfasst einfache und regelmäßige Anordnungen, der modellhafte Hintergrund jedoch war von handwerklicher Finesse, die Funktionalität trivial: die Drehung von wiederrum sich Drehendem um ein Zentrum.
Neben der Grundform tritt die Regelhaftigkeit der Anordnung als weitere wichtige Bedingung, Gestalten auf genau kalkulierbare Weise hervorzubringen.
Im Weltall ist es die Schwerkraft, die die Substanzen ordnet, in der Musik die bindende Kraft der Melodie, entlang der sich die Töne formieren, im Bildnerischen der geometrische Rhythmus, der die Grundform in die Komposition aufnimmt.
Die "Regelhaftigkeit" zeigt sich in dieser Phase als weiterer wichtiger Parameter für ein Kompositionssystem.

Abbildung:  Skulptur I, Weißbuche, Messing, H: 35 cm, 1985