Musikbild 1975
Wenn Kunst, Musik, Philosophie und Naturwissenschaft in einem Menschen zusammen treffen, muss wohl zunächst ein Ordnungsprozess stattfinden, zumal, wenn dieser Mensch erst sechszehn Jahre zählt. Wo und wie kann sich entscheiden, welche Disziplin dominant wird und womit?
Für die Musikpraxis war es für diesen Sechszehnjährigen zu spät, die Philosophie zu wenig praktisch, die Naturwissenschaft sehr verlockend, aber letztlich nicht so ungebunden wie die Kunst.
So begann Gerd Jansen bildnerisch darzustellen, was er nicht selbst musizieren konnte, seinem naturwissenschaftlichen Naturell gemäß: systematisch. Als um 1975 die ersten Musikbilder entstanden, waren diese aber trotz aller Systematik in den Endresultaten noch subjektiv und individuell. Die erste große Werkreihe, neben einigen traditionellen Werkversuchen, waren Illustrationen zu Werken von Frédéric Chopin. Nicht aus dem Bauch heraus, sondern bedächtig konstruierend, entstanden gemäß dem musikalischen Vorbild die Bilder und darüber hinaus die Vorstellung und der Wunsch, exakte Kompositionsregeln zu entwickeln. Die Naturwissenschaft sollte dazu gedankliche Voraussetzungen schaffen. Der Weg dorthin war aber zu diesem Zeitpunkt mehr als ungewiss.

Abbildung:  Illustration - Sonate Nr.2, Frédéric Chopin, 1975